Die Menschheit besteht aus Frauen und Männern. Dies soll auch in der Sprache zum Ausdruck kommen. Die Verwendung maskuliner Personenbezeichnungen für beide Geschlechter (sog. „generisches Maskulinum“) wird der Forderung nach (sprachlicher) Gleichbehandlung nicht gerecht, da solche Formen die Präsenz von Frauen verschleiern. Bei den Lesenden stellt die Verwendung des Maskulinums automatisch den Mann als Repräsentanten der Gruppe in den Vordergrund und Frauen müssen sich – im Gegensatz zu den Männern – in jedem Einzelfall fragen, ob sie nun tatsächlich mitgemeint sind oder nicht. Nicht geschlechtergerecht formulierte Texte sind daher oft ungenau.
Der verallgemeinernde Gebrauch von maskulinen Substantiven wird inzwischen vielfach kritisiert, weil Frauen darin lediglich mitgemeint sind, aber in dieser Sprache als eigenständige Personen nicht in Erscheinung treten. Das bedeutet auch, dass z. B. Werbung oder Kampagnen, die ausschließlich mit der männlichen Sprachform arbeitet, die Zielgruppen Frauen erreichen – oder eben nicht, weil Frauen sich durch männliche Sprachformen nicht automatisch angesprochen fühlen.
In den Medien und besonders in der Werbung wird aber nicht nur mit wörtlicher, sondern auch mit Bildsprache gearbeitet. Medien stellen Frauen und Männer nicht bloß dar, sondern sie produzieren bzw. reproduzieren Vorstellungen darüber, wie Männer und Frauen ‚sind‘ oder sein sollten. Sie liefern textliche und bildhafte Vorstellungen von ‚richtigen‘ Männern und ‚attraktiven‘ Frauen und arbeiten so auf unterschiedliche Weise daran, die Beziehungen der Geschlechter untereinander und zueinander zu formen. Problematisch ist, dass Sprache und Texte – aber in der Regel auch Bilder – ganz überwiegend dazu verwendet werden, Frauen entweder ganz auszublenden, oder in überkommener oder diskriminierender Weise zu repräsentieren.
Text- und Bildsprache sollte – und muss, wenn sie innovativ sein will – Formen des Ausdrucks finden, die nicht ein Verschweigen oder eine Verleugnung der Frauen bedeutet.
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Dr. Andrea Rothe, Jahrgang 1964,
ist Politikwissenschaftlerin, Frauen- und Geschlechterforscherin in München und Beraterin für die Schleuse01 für wissenschaftliche Texte